Toten Hosen – Kauf mich!

Die_Toten_Hosen_-_Kauf_MICH!_(1993)

„Heute“ (10. Mai 1993) vor 25 Jahren erschien „Kauf MICH!“ von den Toten Hosen. Vermutlich haben die Hosen beim festlegen des Veröffentlichungsdatums schon gewusst, dass 25 Jahre nach Veröffentlichung der Vatertag sein würde. So kann man entspannt und passend das Jubiläums dieses Wunderwerks der deutschen Rock-Musik begießen.

Jedes Hosen-Werk hat seine Momente und Höhepunkte. „Kauf MICH!“ ist das Werk, welches keine Ausfälle hat. Jedes Stück hat seine Berechtigung und jedes Stück passt zu jedem anderen.

Der Legende nach, soll das Album Mitte der 90er das meistgeklauteste Album gewesen sein – ich frage mich zwar, wie man das hätte ermitteln können, aber na gut…Legenden sind so…

So fängt das Album gleich mit einer Ansage und der dazugehörigen Message an „Umtausch ausgeschlossen!“ – man entscheidet sich im Konumstempel Deutschland für etwas und man hat gefälligst dabei zu bleiben. Für die Entscheidung muss man dann halt gerade stehen.

Anschließend folgt mit „Niemals einer Meinung“ ein Rock-Song, der ambivalente Beziehungsituationen sehr schön beschreibt. Ein Thema, welches die Hosen auch später immer wieder aufgreifen. Schönes Tempo – toller Text und ein wunderbarer Song.

„Hot-Clip-Video-Club“ ist danach schon etwas gewöhnungsbedürftig. Die Atmosphäre dieses Liedes ist einmalig. Der fette Drum in den einleitenden Versen, das „Schlemil“-Artige geheimnistuerische Vorsingen der Verse vermittelt auf verstörende Weise die kranke Person, die gerne im Geheimen agiert, die in Ich-Form von Campino dargestellt wird – um dann in der Bridge und dem Refrain mit lautem krächzenden Gesang und ansteigender Instrumentierung die Gewalttätigkeit der Person darzustellen. Der Text ist kranker sch**ß. Neun Jahre zuvor wurde ein Album der Onkelz verboten, u.a. weil sie kranke Neigungen in der Ich-Form darstellten – Jahre später kamen Rammstein mit kranken Texten. Aufgrund der Atmosphäre liebe ich diesen Song. Den Text muss man aber verarbeiten können.

Mit dem anschließenden „Willkommen in Deutschland“ und etwas später mit „Gute Reise“ haben die Hosen in einer explosiven Zeit politisch Stellung bezogen. In der damaligen Zeiten grassierte der Ausländerhass inkl. Abbrennen von Asylheimen und abfeiern der davor stehenden Menge – das waren damals verstörende Bilder im Fernsehen, die so hoffentlich niemals wieder kommen.

Der Spaß-Song „Drunter, drauf & drüber“ sorgt – genauso wie der anschließende Werbespot über Kondome, den Titelsong und den Werbespot über Kettensägen – für eine thematische Abwechslung, Aufheiterung und eine inhaltliche Auflockerung, bevor es textlich gesehen in der zweiten Hälfte des Albums wieder etwas ernster wird.

Der neunte Song (Beginn der zweiten Hälfte des Albums)  ist dann auch gleich „Sascha… […]“ – Ich war 16 als dieses Lied mit meinem Namen erschien. Ich hätte stolz sein können, das so eine bekannte deutsche Band ein Leid mit meinem Namen betitelt – aber: Der Text hat nix mit mir zu tun! Versprochen 🙂 !!!

An 10. Stelle kommt eine Thematik, die einen inneren Kampf mit sich selber darstellt. „Gewissen“ – die gleiche Thematik wird später mit „Mein größter Feind“ noch einmal aufgegriffen. Beides Lieder, die nicht nur vom Text leben, sondern auch von der Musik, die mitsamt des Textes eine Symbiose darstellt – die es im musikalischen Mainstream-Land eigentlich selten gibt.

Dann kommen die Single-Knaller des Albums „Alles aus Liebe“ und „Wünsch DIR was“ – Lieder, die auf jede gute Deutsch-Rock-Party gehören. Stilsicher und genau, knallen die Hosen mit den Liedern geniale Musik raus. Zuerst etwas melancholisch, trauriges und verliebtes und dann etwas fordernd und Gönnerhaft.

Zum Abschluss gibt es dann noch „Rambo-Dance“, „Katastrophen-Kommando“ und einen tollen Hidden-Track am Ende des Albums „Der letzte Tag“! Noch mal ein paar Spaß-Songs, die man inhaltlich nicht allzu ernst nehmen sollte.

Heute habe ich heraus gefunden, dass die remastred Version noch sechs Bonus-Songs hat.

Hier kann man dieses geniale Album anhören:

 

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