Von Purpendicular zu Infinite und so weiter…

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So kam es, dass Ritchie Blackmore im November 1993 die Band verließ – und trotzdem existiert die Band 25 Jahre später noch. Insgesamt inzwischen schon genau so lange, wie sie auch mit Blackmore bestand.

Nachdem Joe Satriani bei den Konzerten in Europa 1994 einsprang, konnte er allerdings nicht fest in die Band einsteigen. Er hatte andere Verpflichtungen. So stieg dann Steve Morse ein, der vom Guitar Player Magazine fünfmal hintereinander zum „Guitar Player of the Year“ gewählt wurde. Zudem wurde er bereits sechsmal für den Grammy nominiert; u.a. spielte er in den Achtzigern bereits bei Kansas und galt als Gitarrenvirtuose.

Purpendicular

So erschien 1996 das erste Album ohne Ritchie Blackmore. Es gilt als ein „ruhiges“ Deep Purple-Album. Das Album gilt nicht gerade als erfolgreich und wurde in der Presse eher gemischt aufgenommen. Ich bezweifel, dass das daran lag, das Ritchie Blackmore nicht mehr da war – ich denke, das war das Ergebnis der damaligen Zeit….klassischer Grock war damals einfach nicht gefragt.

Abandon

Mit einem Wortspiel als Titel, der sich auch als A Band On (etwa: „eine Band (macht) weiter“) begreifen lässt, erschien dann 1998 das zweite Album mit Steve Morse. Der Verkaufserfolg hielt sich hier auch etwas in Grenzen. Die Presse allerdings urteilte, dass der „neue“ Gitarrist die Altrocker von Deep Purple revitalisiert hätte. Das Album gilt als eine Ecke härter, als das vorige. Dennoch fiel dieser „Revitalisierungs“-Effekt von Morse erst beim zweiten Album auf.

Jon Lord nahm dann 1999 mit Deep Purple und dem London Symphony Orchestra ein weiteres Mal ein kombiniertes Orchester/Rock-Album auf. Neben DP-Stücken und das großartige „Concerto for a Group“ landeten auch eigene Solo-Stücke auf dem Live-Album; dennoch verließ Jon Lord im November 2002 die Band.

Neben Blackmore war nun also auch der zweite Gründer des klassischen Deep Purple-Sounds nicht mehr da. Die Band machte trotzdem weiter….

Bananas

Das erste Album komplett ohne die Erschaffer des originalen DP-Sound – ohne Blackmore und ohne Lord erschien dann im Oktober 2003. Lord war allerdings im Kompositionsprozess bei zwei Liedern („Picture of Innocence“ und „I Got Your Number“) noch beteiligt. Ian Gillan erhielt erstmals auch Gesangsunterstützung und bei Deep Purple gab es das erste Mal einen weiblichen Background gesang: Beth Hart bei „Haunted“. Don Airey (Keyboarder in unzähligen Rockbands mit einem Backkatalog von inzwischen 200 Beteiligungen an Alben) übernahm die Keyboards von Jon Lord. In Deutschland erreichte das Album sogar die Top Ten.

Rapture of the Deep

2005 erreichte das durchmischte Album auch schon Platz 10 in Deutschland. In der Heimat erreichte man aber nur Platz 81. Mit dieser Platzierung war das Heimpublikum nicht fair. Die Band spielte aufgrund des Albums eine sechsjährige Tour. 2011 endete diese Tour nach über 300 Konzerten.

John Lord verstarb dann am 16. Juli 2012.

Now What ?!

Als Hommage an den langjährigen Keyboarder, Jon Lord erschien dann 2013 – nach acht Jahren ohne Album-Veröffentlichung – ein neues Album.

Im April erschien dieses Album und erreichte mehrere Nummer 1-Positionen – auch in Deutschland, wo es ½ Jahr später mit über 100.000 verkauften Einheiten die Goldene Schallplatten erhielt.

Infinite

2017 erschien dann das 20. Album. Diese Band hatte damit bereits 49 Jahre (mit Unterbrechung) die Welt nachhaltig beeinflusst und geprägt.

Zuvor traten die Helden allerdings 2015 in Wacken auf und lieferten ein fulminantes Konzert ab. Legendär und ich war froh, dass ich dabei sein durfte!

Auch, wenn die Geschichte von Deep Purple anscheinend noch viele Jahre weiter gehen wird, schließe ich an der Stelle das 1. Kapitel meiner „Metal & Rock-History“.

Deep Purple waren nicht die ersten der „Holy Trinity“ des Rocks und des Metals – aber sie gabe es zu erst. Mit den anderen beiden Bands prägten sie eine Musik, die auch fünfzig Jahre später noch die Menschen beeinflusst. Dafür bin ich auch dankbar.

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Helloween – Keeper of the seven keys II

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Was für ein Album heute vor dreißig Jahren erschien….

Mit der Judas-EP und dem Walls of Jericho-Album hat die Band schon Standards gesetzt. Dann hatte sich aber der Songwriter und Gitarrist Kai Hansen entschieden, nicht mehr zu singen und Michael Kiske kam. So entstanden Referenz-Werke des deutschen Power Metals: „Keeper of the Seven Keys – Part I“ und der heute vor dreißig Jahren erschiene Part II. Wow!

Mit elf Jahren war ich dem Power-Metal von Helloween schnell verfallen. Alle voran war natürlich die Single „Dr. Stein“, die mich flashte – aber dann das ganze Album zu hören, war eine Offenbarung. Und auch jetzt immer noch, bin ich total überrascht, was diese Hamburger Band 1988 für einen Sound rausgehauen haben – was für geniale Songs entstanden sind. Lieder, die im Aufbau unkonventionell und trotzdem reiner Heavy Metal waren. Michael Kiske, der mit seinem hellen Gesang einen nie wieder kopierten Standard setzte. Und wo kleinere Klangfetzen die Lieder versüßten und spannende Elemente per Samples eingefügt worden sind. Mutig, diesen Weg zu gehen und dabei so ein Album zu schaffen!

Ich bin immer noch dankbar, dass ich dieses Album damals in dem Alter kennen gelernt habe.

Eigentlich wollte ich zu jedem Lied etwas schreiben…doch ich hätte mich Lied für Lied durch die Tracklist mit allen erdenklichen Superlativen durchgehangelt und ihr hättet Euch – aufgrund der ständigen Wiederholungen – gelangweilt. Ich kann daher nur die Empfehlung aussprechen: Anhören!

Nach dem Intro („Invitation“) folgen die Knaller-Lieder: “Eagle fly free“ – “You always walk alone“ – “Rise and fall“ – “Dr. Stein” – “We got the right” – “March of time” – “I want out” – “Keeper of the seven Keys” & “Save us” – einfach wunderbar – mir hat es alleine schon Spaß und Freude gemacht, nur die Titel aufzuschreiben – ich weiß: ganz schön nerdig – ich konnte nur nicht anders!!!

Die ursprüngliche Tracklist endet mit „Save us“ – alles andere sind Bonus-Songs.

Zu den VÖ-Termin gibt es Verschiedene Angaben. Laut W-pedia ist das Album bereits eine Woche vorher erschienen. Ich hatte mir aber den 05. September notiert gehabt.

Unter dem Radar 4

In meiner vierten Ausgabe vom „… Radar“ habe ich altgdiente, die ich nicht kannte (Mad Max), Mainstream-Bekannte, deren Release mir unbekannt war  (Hoobastank), aber auch Bands der Zukunft (Night Demon), die unter meinem Radar liefen.

Mad Max – 35

MadMaxDer Titel bedeutet, dass es diese Band bereits seit 35 Jahren gibt. Ich muss zuegebn, als ich das Album das erste ‚Mal gehört habe, war ich erst nicht so angetan. Titel Nr. 2 „Running to paradise“ (Titel Nr. 1 „The Hutch“ ist lediglich ein Intro) fängt etwas dröge an, doch in der Bridge und im Refrain nimmt das Lied dann auch richtig Fahrt auf. Der Titel 3 „Beat oft he heart“ ist dann ähnlich. Insgesamt ist das Album ein gutes Hard Rock –Album. Auch der Gesang ist im Laufe des Albums recht variabel. Für Fans von Dokken oder anderen Mitt-Achtziger-Hard-Rock-Kapellen, ist dieses Album sehr zu empfehlen.

Halestorm – Vicious

HalestormDie amerikanische Band existiert bereits seit 2009. Die Sängerin Lzzy Hale ist natürlich Dreh- und Angelpunkt dieser Post-Grunge/Metal-Band. Vorher habe ich mich nie für diese Band interessiert. Bin aber begeistert. Ein bisschen geht das Album in Richtung Die Happy mit ein bisschen mehr Schmackes. Wer bei dieser Femal-fronted-Band Schwanengesang erwartet, wird enttäuscht sein. Wer eine Rockröhre hören will – ist hier genau richtig. Tolles Album.

Hoobastank – Fight or flight

HoobastankBei diesem Release hatte ich ein wenig das Problem der Kategorisierung. Das Album schwirrt sicherlich nicht unter meinem Radar. Im Visier war das Album aber auch nicht. Eine riesige Band- im Vergleich zu den anderen Beiträgen in dieser Kategorie – die mit „The Reason“ einen weltweiten Hit schafften und schon einige Alben veröffentlicht haben. Nun haben sie wieder ein Album veröffentlicht und überraschen mit geradlinigen Rock. Kein sanfter Radio-Mainstream-Rock, sondern tolle und direkte Songs. Sehr schön!

Stevie McLaughlin – Toy Empires

McLaughlinBoa. Geil. Ein einzelner Typ, der so ein Album schafft. Famos. Der Sänger/Gitarrist/Songwriter von Sandstone schafft mit Toy Empires ein wunderbares Werk. Metal mit symphonischen Einschüben, psychedelischen Gesang, Rockiger Rhythmus der einen einfängt. Hier hat Stevie ein wahrliches Imperium geschaffen. Mal sehen, ob dieses wundervolle Metal     /Rock-Album einen oder mehrere Nachfolger haben wird. Zu wünschen wäre es.

Night Demon – Live Darkness

NightDemonMuss eine Band, die lediglich eine EP und zwei Vollzeit-Alben im Backkatalog haben, schon ein Live-Album – und da noch ein Doppel-Album – vorlegen. Eigentlich nicht. Im Falle von Night Demon bin ich aber froh, dass diese grundsätzlich überflüssige Veröffentlichungs-Politik durchgeführt worden ist. Ich kannte Night Demon vor diesem Live Album nicht. Ich bin aber schon ziemlich geflasht, von dem, was auf diesem Live-Doppel-Album geschieht. Die Musik versetzt einen zurück in die Achtziger – was hier auf diesem Album geschieht würde ich mal als Hommage an die NWOBHM-Welle bezeichnen. Handwerklich top. Musikalisch zwar staubtrocken, dennoch einfach überzeugend. Wer braucht schon ein zweites Iron Maiden?- wird auf einer Internetseite bzgl. Night Demon gefragt. Die Antwort spare ich mir – aber: Wir brauchten ein Night Demon. Für mich eine Band der Zukunft!

Beatles – Hey Jude

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Das Lied ist auf der Liste der „500 besten Songs aller Zeiten “ vom Rolling Stone aus den Jahren 2004 und 2010 auf Platz 8.

Nicht sonderlich verwunderlich…die erste Band, die in meiner Kategorie „Historische Lieder“ zwei Tracks hat, sind die Beatles.

Doch heute vor 50 Jahren erschien diese Single – als Vorab-Teaser für das „White Album“.

„Hey Jude“ war mit 6 bis 7 Mio. verkauften die Einheiten die erfolgreichste Single der Beatles. Seinerzeit war sie auch mit sieben Minuten die längste Single auf dem Markt.

Viele verbinden John Lennon nur noch mit Yoko Ono – allerdings war Lennon vorher mit Cynthia verheiratet, mit der er den Sohn Julian hatte. Irgendwann kehrte Cynthia aus einem Urlaub zurück und erwischte die Beiden – die Scheidung nahte. Für den damals fünfjährigen gemeinsamen Lennon-Sohn war das eine Katastrophe. Paul McCartney hatte so viel Mitleid mit ihm, dass er ihm dieses Lied schrieb. Demnach sollte das Lied ursprüngliche „Hey Julian“ heißen.

Dabei schrieb McCartney:

Hey Jude, don’t make it bad
Take a sad song and make it better

und

And anytime you feel the pain, hey Jude, refrain
Don’t carry the world upon your shoulders
For well you know that it’s a fool who plays it cool
By making his world a little colder

Für mich ganz starke Textzeilen, die das “Steh Auf”-Gefühl noch einmal transportieren. Meines Erachtens klappt das da sehr gut. Den abschließenden langen mehrminütigen Teil, welches mit einem „Nanana…“-Part im immer gleichen Credo das Lied abschließt, hätte man gut und gerne auch musikalisches Füllmaterial nennen können – nach dem Motto: Mehr fällt mir nicht ein, ich will aber trotzdem, dass das Lied nicht so schnell zu Ende ist.

Musikalisch hat das aber voll reingehauen und das Lied lädt zum Schunkeln ein. Vielleicht wollte McCartney das erreichen. Das man, nach einer traurigen Phase dieses Lied hört und in einem positiven Hospitalismus nicht alles Leid auf seine Schultern lädt und sich einfach wegschunkelt. Damit man den Kummer und die Sorgen langsam von sich abschüttelt.

Letztendlich weiß man nicht genau, warum das Lied so endet. John Lennon hat z.B. zuerst gedacht, dass Lied hätte Paul für ihn geschrieben. Das es allerdings für seinen leidenden Sohn gedacht war, wird (vermute ich) Mr. Lennon gerührt haben. Paul sagte aber zu der Annahme, dass er es spannend fand, dass John es auf sich bezog. Er folgte dann daraus, dass jeder diesen Song auf sich beziehen könnte – evtl. ist daraus auch der Erfolg entstanden. Er sagte damals im Rolling Stones-Magazin:

„Gut. Dann machen wir wohl alle die gleichen Erfahrungen. Und darum geht es letztlich: Das wir da alle durch müssen.“

Ein ganz starkes Lied. Nun auch Bestandteil meiner „Best Songs Ever“-Playlist:

Das Comeback und Abschiede

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Am letzten Sonntag wurde Ian Gillan – der Sänger von Deep Purple stolze 73 Jahre alt.

Happy Birthday (nachträglich)!

In Wahrheit war Ian Gillan aber nicht der einzige Sänger. Rod Evans war der erste Sänger der ersten drei Alben (sh. 1. Teil dieses Kapitel: LINK). Und zwischendurch verließ Gillan die Band für ein Album. Dieser Teil der Geschichte von Deep Purple zählt hier zu diesem Teil der History.

Doch zuerst zu einem der größten Comebacks der Musik-Geschichte. Acht Jahre nach der Auflösung, unternahm ein britischer Plattenkonzern erhebliche Anstrengungen, um Deep Purple in der klassischen Besetzung mit Blackmore, Paice, Gillan und Lord wieder ins Leben zu rufen. Einem Gerücht zufolge sollen jedem Musiker zwei Millionen Dollar angeboten worden sein. Da der Erfolg von Rainbow schwand, Lord und Paice mit der Ausrichtung von Whitesnake (obwohl das größte Whitesnake-Album erst 1987 erschien) nicht mehr zurechtkamen und Gillan bei Black Sabbath „den Hut nehmen musste“, vereinigte sich Deep Purple im April 1984.

Im Zuge der Reunion-Verhandlungen war es dann auch erstaunlich, dass Rod Evans – der erste Sänger der Purples irgendiwe wieder eine kleine Rolle spielte, so berichtete Ian Gillan im Rock Hard #105:

„Den Kontakt zu Rod Evans haben wir im Laufe der Jahre komplett verloren. […] Zum letzten Mal hatten wir – indirekt – mit ihm zu tun, als er Anfang der Achtziger eine schauderhafte Coverband anführte, die unter dem Namen Deep Purple durch US-Clubs tourte. Dass er bei diesem Unternehmen eine ganze Menge Geld verloren hat, tat uns leid, aber wir mussten irgendwas unternehmen, da unsere offizielle Reunion quasi vor der Tür stand.“

 Jon Lord ergänzte dazu:

Sie sind live mit Bierflaschen und allerlei anderem beworfen worden. Letztlich war´s also zu seinem eigenen Besten, sonst hätte er seine ärztliche Kunst über kurz oder lang an sich selbst ausprobieren müssen…“

Bereits im Jahre 1981 machte die Pressemeldung über eine Wiedervereinigung Deep Purples in deren Mark-II-Besetzung inklusive eines neuen Albums und anschließender Europatournee die Runde.

Um das Gewicht dieser Wiedervereinigung nach acht Jahren nach heutiger Sicht irgendwie nachvollziehbar zu machen: Der Abstand zwischen der Auflösung der Ärzte im Juli 1988 und der Veröffentlichung des neuen Comeback-Album „Die Bestie …“ im Oktober 1993 waren weniger als fünf Jahre – schien aber seinerzeit wie eine Ewigkeit. Hier sind acht Jahre vergangen. Die Wiedervereinigung von Deep Purple wurde mit einem medialen riesigen Echo begleitet.

Am Jahresende 1983 schlussendlich trafen sich die fünf Musiker auf Initiative von Ian Gillan zu einem ersten Gespräch. Blackmore hatte schon im Januar 1984 erste Ideen für ein neues Album mit Deep Purple. Anschließend traf sich die Band im August 1984, um ihr elftes Album einzuspielen.

Perfect Strangers

Im Oktober 1984 erschienen dann „Perfect Strangers“, welches von der Kritik sehr gut aufgenommen wurde und sogar weltweit auf den höchsten Chartpositionen (#1 in der Schweiz, #2 in Deutschland, #5 in Großbritannien, #6 in den USA) schoss. In den USA und Kanada erreichte das Album Platinstatus, in Großbritannien und Deutschland Goldstatus.

Im Rock Hard landete das Album in einer Bestenliste von 2007 „500 Rock- und Metalalben“ auf Platz 231. Dabei wurden Deep Purple teilweise sogar auf eine Stufe mit den Beatles gestellt, weil sie – im Gegensatz zu Sabbath und Zeppelin – sich bei jedem Album neu erfunden würden – was nach dem „Perfect Strangers“-Album klar wurde.

Die nachfolgende Tournee wurde ebenso ein großer Erfolg. Ein großer Erfolg war dabei ein Konzert in Knebworth (England) gemeinsam mit den Scorpions, Meat Loaf und UFO vor etwa 80.000 Fans. In den Vereinigten Staaten war Deep Purples Tour die zweiterfolgreichste des Jahres. Im Verlauf der US-Tour 1985 musste die Band zahlreiche Zusatzkonzerte geben.

Abweichend von der ursprünglichen Vinyl-Version erschien später CD-Versionen mit dem zusätzlichen Track „Not Responsible“. 1999 kam dann das Bonus-Instrumental-Lied „Son of Alerik“, hinzu.

The House of Blue Light

Nach dem Ende der Tour wurde 1986 das Album „The House of Blue Light“ eingespielt, auf dem die Band wieder musikalisch risikofreudiger sein wollte. Blackmore benutzt hier zum ersten Mal Gitarrensynthesizer und Paice setzt elektronisches Schlagzeug („The Unwritten Law“) ein. Das Album erreichte u. a. Platz 1 in Deutschland und Schweden, sowie die Goldene Schallplatte in Kanada.

Nach der Tournee traf sich die Band zum Jahreswechsel 1985/1986, um an neuen Songs zu arbeiten. Die Band wollte musikalisch wieder risikofreudiger werden. Erstmals wurden Gitarrensynthesizer benutzt (so, wie zeitgleich Iron Maiden bei „Somewhere in time“), und Ian Paice setzte bei „The Unwritten Law“ ein elektronisches Schlagzeug ein. Die Aufnahmen dauerten seinerzeit relativ lang. Im Januar 1987 war das Album fertig. Der Titel stammte von einer Textpassage des Titels „Speed King“. Einige Stücke auf der LP-Version sind kürzer als die der Original-CD von 1987. Die CD Ausgabe von 1999 wurde von den originalen Vinyl-Master-Bändern remastered, sodass ihre Laufzeit ebenfalls entsprechend kürzer als die der Original-CD-Version ist. Dieses von einigen Künstlern zu dieser Zeit verwendete System sollte den Verkauf der damals noch auf dem Vormarsch befindlichen CD fördern.

Auf der House-of-Blue-Light-Tour wurde ein Live-Album mit dem Titel „Nobody’s Perfect“ mitgeschnitten und zum 20-jährigen Jubiläum erschien eine neu eingespielte Version des ersten Hits „Hush“.

Innerhalb der Gruppe gab es bereits länger Streitigkeiten, wodurch Gillan, dem das Album nicht gefiel, die Gruppe verließ, bzw. gekündigt wurde (je nach Quelle). So brach die Mark II-Besetzung 1989 ein weiteres Mal auseinander.

Nach seiner zweiten Trennung von der Band erklärte er selbst, dass er zukünftig nicht noch einmal bei Deep Purple mitwirken wolle:

„Ich kann an Deep Purple nur noch wie an eine Verflossene denken. Wir heirateten 69 und wurden 73 geschieden. 84 heirateten wir noch mal und ließen uns 89 wieder scheiden. Das mach ich nicht noch mal.“

Für ihn wurde auf Initiative Blackmores hin der frühere Rainbow- und Yngwie-Malmsteen-Sänger Joe Lynn Turner verpflichtet. Damit bestand die Band – Mark-V genannt – mehrheitlich (Glover, Blackmore, Turner) aus der letzten festen Rainbow-Besetzung. Zuvor wollte die Band Jimi Jamison von Survivor engagieren, er hatte jedoch andere Verpflichtungen.

Slaves and Masters

Mit Joe Lynn Turner entstand dann das 91er-Album „Slaves and Masters“, welches deutliche Parallelen zu den späten Rainbow hatte. Das Album floppte aufgrund seines ungewöhnlich poppigen Stils und konnte seine höchste Chartposition (#5) in der Schweiz erlangen, wo es auch Goldstatus erhielt. Einzig die ausgekoppelte Single „King of Dreams“ konnte einen kleinen Erfolg (Platz 6 in der USA) feiern. Hier muss man aber im Hinterkopf behalten, dass seinerzeit der Grunge hoch kam und es trotz großartiger Alben, der traditionelle Rock recht schwer hatte. Im Rückblick gefällt mir das Album sehr gut. Turner wurde von den Fans gleichwohl nicht akzeptiert, was einer der Gründe dafür war, dass er die Band nach nur einem Album und einer Tour wieder verlassen musste.

The Battle Rages On

Ende 1992 wurde Ian Gillan wieder in die Band geholt. Blackmore war dagegen, konnte sich aber nicht gegen die anderen Purples durchsetzen. Damit war es möglich, das folgende 93er-Album „The Battle Rages“ On erneut in Mark-II-Besetzung einzuspielen. Das Album zeigt ein großes musikalisches Spektrum der Band. Der Titeltrack als, sowie der Powerrockballade „Anya“, welche auch von der mittelalterlichen Musik beeinflusst wird, bis hin zu „A Twist in the Tale“ – nach dem ich mir das Stück angehört hatte, musste ich unweigerlich an „Man on the Edge“ von Iron Maiden denken; nach dem Intro habe ich die ersten Zeilen des Maiden-Songs mitgeträllert – hatte aber den falschen Text. Das Album erreichte weltweit diverse Top-10-Platzierungen. In Japan wurde das Album mit einer Goldenen Schallplatte prämiert.

Das Album ist das letzte mit der klassischen Mk.-II-Besetzung, die sich zum zweiten Mal wiedervereinigt hatte. „The Battle Rages On“ war für 20 Jahre das letzte Studioalbum von Deep Purple, welches eine Goldenen Schallplatte erhielt ausgezeichnet wurde. Erst „Now What?!“ konnte 2013 wieder prämiert werden. Die Differenzen innerhalb der Band bestanden jedoch weiterhin. Im Anschluss an eine Europa-Tournee zum Album verließ Blackmore am 17. November 1993 nach seinem letzten Auftritt in Helsinki auf eigenen Wunsch die Band, weil er mit Gillans gesanglicher Leistung nicht zufrieden war.

Nach der Europa Torurnee standen aber noch Konzert-Termine in Japan an. In einem späteren Interview erklärte Roger Glover hierzu:

„[…] wir sollten noch in Japan spielen, aber Ritchie wollte das plötzlich nicht. Wir haben dann versucht mit ihm zu reden, ich rief ihn an und sagte: ‚Bitte – bitte spiele diese Gigs mit uns.‘ Er antwortete nur: ‚No!‘ Sonst nichts. Er ließ nicht mit sich reden“

Da die Band eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Veranstalter vermeiden wollte, begab sie sich auf die Suche nach einem kurzfristigen Ersatz. Nach nur drei Tagen Probe half Joe Satriani als Gitarrist für die Tournee aus und sprang auch danach auch noch ein. Er wurde gebeten, Blackmore dauerhaft zu ersetzen, konnte wegen seines Plattenvertrages aber nicht bei der Band bleiben.

Ohne den prägenden Gitarristen war die Zukunft einer der größten Rock-Bands aller Zeiten aber ziemlich ungewiss. Wie sollte diese Band, die soviele prägende Standards in der Rockmusik gesetzt hat – sich bei der aufkommenden Grunge (später Crossover / Alternative) Zeit durchsetzen? Der fehlende Erfolg der folgenden Alben hat gezeigt, dass es für Deep Purple sehr schwierig war. Man kann natürlich darüber sinnieren, ob dem nicht so gewesen wäre, wenn Ritchie dabei geblieben wäre – ich denke aber, dass es die Zeit war, in der klassische Rock Musik kämpfen musste.

Von dem Kampf dann im nächsten und letzten Teil des 1. Kapitels meiner Metal & Rock-History.

Bei Spotify gibt es leider „Battle Rages On“ nicht…dafür spendiere ich Euch hier die Liste für das seinerzeitige Live-Album „Nobody’s Perfect“: